Zitronenmelisse – Eine duftende Begleiterin durch die Jahrhunderte

Vielleicht sind Sie ihr schon einmal im Garten einer Freundin begegnet, oder Sie haben sie auf dem Wochenmarkt entdeckt – die Zitronenmelisse mit ihren frischgrünen, leicht gezähnten Blättern. Wenn Sie ein Blatt zwischen den Fingern zerreiben, verströmt es einen wunderbar frischen, zitronigen Duft, der sofort an Sommertage und Erfrischung denken lässt. Genau dieser charakteristische Duft hat der Pflanze ihren deutschen Namen gegeben, auch wenn sie botanisch Melissa officinalis heißt.

Der Name Melissa stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Honigbiene“. Dieser Name ist kein Zufall. Wenn Sie jemals eine blühende Zitronenmelisse beobachtet haben, werden Sie bemerkt haben, wie Bienen und andere Insekten geradezu magisch von den kleinen weißen bis blassrosa Blüten angezogen werden. In der Antike pflanzten Menschen die Melisse absichtlich in der Nähe ihrer Bienenstöcke, denn sie wussten, dass die Bienen sie liebten und der Honig dadurch ein besonderes Aroma erhielt.

Die Zitronenmelisse ist eine mehrjährige Pflanze, das heißt, sie stirbt im Winter nicht ab, sondern kommt Jahr für Jahr wieder. Sie gehört zur Familie der Lippenblütler, zu der auch andere aromatische Pflanzen wie Minze, Rosmarin, Thymian und Salbei gehören. Wenn Sie sich die kleinen Blüten genauer ansehen, werden Sie die typische Form dieser Pflanzenfamilie erkennen – sie sehen aus wie winzige Lippenpaare.

Ursprünglich stammt die Zitronenmelisse aus dem östlichen Mittelmeerraum und Westasien. Stellen Sie sich sonnige Hügel in Griechenland oder der Türkei vor, wo diese Pflanze wild wuchs, bevor Menschen sie in ihre Gärten holten. Heute wird sie weltweit in gemäßigten Klimazonen angebaut, und in manchen Regionen ist sie sogar aus den Gärten entwichen und wächst wild an Waldrändern oder Wegrändern.

Die Geschichte der Zitronenmelisse reicht mindestens zweitausend Jahre zurück. Schon in der Antike kannten die Griechen und Römer diese Pflanze. Im Mittelalter gehörte sie zum festen Bestand der Klostergärten, wo Mönche und Nonnen sie anbauten und verarbeiteten. Vielleicht kennen Sie den berühmten „Melissengeist“, einen Kräuterlikör, der seit dem siebzehnten Jahrhundert hergestellt wird und dessen Rezeptur auf Karmeliterinnen zurückgeht. Diese lange Geschichte zeigt, wie eng die Zitronenmelisse mit der menschlichen Kultur verwoben ist.

Was macht die Zitronenmelisse so besonders? Ein Blick in die Chemie

Nun werden Sie sich vielleicht fragen: Was genau ist es, das der Zitronenmelisse ihren charakteristischen Duft verleiht und was macht diese Pflanze so interessant für die Wissenschaft? Um das zu verstehen, müssen wir einen Blick in die chemische Welt der Pflanze werfen. Keine Sorge – ich werde das so erklären, dass Sie kein Chemiestudium brauchen, um es zu verstehen.

Wenn Sie sich eine Pflanze vorstellen, denken Sie wahrscheinlich zunächst an das Grün der Blätter, das durch Chlorophyll entsteht, den Stoff, der die Photosynthese ermöglicht. Aber Pflanzen produzieren noch viel mehr. Sie stellen eine Vielzahl von Substanzen her, die man „sekundäre Pflanzenstoffe“ nennt. Diese heißen „sekundär“, weil sie nicht direkt für das grundlegende Überleben der Pflanze notwendig sind, wie etwa Chlorophyll oder Zellulose. Stattdessen erfüllen sie spezielle Aufgaben – sie locken Bestäuber an, wehren Schädlinge ab oder schützen vor zu intensiver Sonneneinstrahlung.

Wissenschaftler haben die Zitronenmelisse über viele Jahre hinweg genau untersucht und eine beeindruckende chemische Vielfalt entdeckt. In einer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 fassen die Forscher Gherman, Culea und Cozar zusammen, dass die Pflanze hauptsächlich Flavonoide, Terpenoide, Phenolsäuren, Tannine und ätherisches Öl enthält.¹ Diese verschiedenen Stoffgruppen klingen zunächst kompliziert, aber lassen Sie mich Ihnen erklären, was sich dahinter verbirgt.

Zitronenmelisse und Menopause

Das ätherische Öl – der Duft in flüssiger Form

Das ätherische Öl ist gewissermaßen die Essenz des Duftes, den Sie riechen, wenn Sie ein Blatt zerreiben. Stellen Sie sich vor, in den Blättern der Zitronenmelisse befinden sich winzige Drüsen, so klein, dass Sie sie mit bloßem Auge kaum sehen können. In diesen Drüsen wird das ätherische Öl produziert und gespeichert. Wenn Sie das Blatt zerreiben, zerbrechen diese Drüsen und das Öl wird freigesetzt – deshalb riecht es plötzlich so intensiv.

Dieses ätherische Öl ist keine einzelne Substanz, sondern eine komplexe Mischung aus Hunderten verschiedener Verbindungen. Die Hauptkomponenten tragen Namen wie Geranial, Neral und Citronellal. Das sind alles Aldehyde – chemische Verbindungen, die oft für intensive Düfte verantwortlich sind. Geranial und Neral werden zusammen auch als Citral bezeichnet, und genau diese Substanz ist es, die für den charakteristischen Zitronenduft verantwortlich ist.

Interessanterweise ist die genaue Zusammensetzung des ätherischen Öls nicht überall gleich. Forscher haben festgestellt, dass Zitronenmelisse aus verschiedenen Regionen der Welt unterschiedliche chemische Profile aufweist. In einer Studie aus dem Jahr 2014 untersuchten Abdellatif und seine Kollegen Zitronenmelisse aus Algerien und fanden heraus, dass das ätherische Öl zu 44,20 Prozent aus Geranial bestand, gefolgt von Neral mit 30,20 Prozent und Citronellal mit 6,30 Prozent.² Eine andere Untersuchung von Pflanzen aus Kurdistan im Iran zeigte eine etwas andere Verteilung mit 37,2 Prozent E-Citral und 23,9 Prozent Neral.³

Was bedeutet das für Sie? Es zeigt, dass die Zitronenmelisse je nach Herkunft, Bodenbeschaffenheit, Klima und Anbaumethode unterschiedlich riechen und unterschiedliche Inhaltsstoffe in verschiedenen Konzentrationen enthalten kann. Das ist ähnlich wie bei Wein – auch da macht der Boden, das Klima und die Anbaumethode einen großen Unterschied im Geschmack.

Phenolsäuren und Flavonoide – die stillen Begleiter

Neben dem ätherischen Öl enthält die Zitronenmelisse auch Substanzen, die nicht flüchtig sind, also nicht verdampfen und zum Duft beitragen. Eine besonders wichtige Gruppe sind die Phenolsäuren, allen voran die Rosmarinsäure. Der Name täuscht etwas – diese Säure kommt nicht nur in Rosmarin vor, sondern in vielen Pflanzen der Lippenblütler-Familie, zu der auch die Zitronenmelisse gehört.

Stellen Sie sich Rosmarinsäure als eine Art Bodyguard der Pflanze vor. Sie schützt die Pflanze vor verschiedenen Stressfaktoren, etwa vor zu intensiver Sonneneinstrahlung oder vor schädlichen Mikroorganismen. Die Konzentration dieser Rosmarinsäure in der Zitronenmelisse kann je nach Anbaubedingungen zwischen einem und acht Prozent der getrockneten Pflanze ausmachen – das ist eine beträchtliche Menge.

Flavonoide sind eine weitere wichtige Stoffgruppe in der Zitronenmelisse. Sie gehören zu den Polyphenolen und kommen in fast allen Pflanzen vor. In der Zitronenmelisse finden sich unter anderem Quercetin und Luteolin. Diese Flavonoide liegen meist nicht in reiner Form vor, sondern sind an Zuckermoleküle gebunden. Man nennt diese Verbindungen dann Glykoside. Diese Bindung an Zucker macht die Flavonoide wasserlöslicher und beeinflusst, wie lange sie in der Pflanze stabil bleiben.

Mineralstoffe – die unsichtbaren Bausteine

Was oft übersehen wird: Die Zitronenmelisse enthält auch eine Vielzahl von Mineralstoffen, die sie aus dem Boden aufnimmt. In einer detaillierten Untersuchung algerischer Zitronenmelisse identifizierten Abdellatif und sein Team im Jahr 2021 mittels einer speziellen Analysemethode achtzehn verschiedene Mineralelemente, darunter wichtige Elemente wie Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen und Zink.⁴ Diese Mineralstoffe sind zwar nicht für den Duft oder das Aroma verantwortlich, zeigen aber, dass die Pflanze ein komplexes Nährstoffprofil aus dem Boden aufnimmt.

Vom Samen zur Pflanze – wie Zitronenmelisse wächst

Wenn Sie jemals darüber nachgedacht haben, Zitronenmelisse selbst anzubauen, wird Sie vielleicht interessieren, wie diese Pflanze kultiviert wird. Zitronenmelisse ist eigentlich relativ pflegeleicht und kann sowohl im Garten als auch im Topf auf dem Balkon gedeihen.

Die Vermehrung kann auf zwei Wegen erfolgen. Der erste Weg ist über Samen. Diese sind winzig klein, etwa einen bis eineinhalb Millimeter lang, und haben eine besondere Eigenschaft: Sie brauchen Licht zum Keimen. Das bedeutet, wenn Sie Zitronenmelisse aussäen möchten, sollten Sie die Samen nur ganz leicht mit Erde bedecken oder einfach auf die Erde streuen und leicht andrücken. Bei guten Bedingungen – ausreichend Feuchtigkeit und Temperaturen um die zwanzig Grad – keimen die Samen nach etwa zehn bis vierzehn Tagen.

Der zweite Weg ist die vegetative Vermehrung, also durch Teilung einer bestehenden Pflanze oder durch Stecklinge. Wenn Sie eine Zitronenmelisse haben, können Sie im Frühjahr einfach einen Teil der Pflanze ausgraben, teilen und neu einpflanzen. Oder Sie schneiden einen Trieb ab, stellen ihn ins Wasser, und nach einigen Wochen bilden sich Wurzeln. Diese Methode hat den Vorteil, dass die neue Pflanze genetisch identisch mit der Mutterpflanze ist und daher genau die gleichen Eigenschaften hat.

Die Pflanze mag lockere, durchlässige Böden, die nicht zu Staunässe neigen. Sie bevorzugt einen Standort, der nicht zu heiß wird, aber auch nicht im tiefen Schatten liegt – Halbschatten ist ideal. Was die Bewässerung angeht, ist die Zitronenmelisse relativ durstig, besonders während des Hauptwachstums im Frühjahr und Frühsommer. Eine gleichmäßige Wasserversorgung fördert sowohl das Wachstum als auch die Produktion der ätherischen Öle.

Interessanterweise haben Wissenschaftler herausgefunden, dass die Art des Anbaus einen Einfluss auf die Inhaltsstoffe der Pflanze hat. Hasanein und Kollegen untersuchten 2023, wie sich biologischer Anbau im Vergleich zu konventionellem Anbau auf die Pflanze auswirkt. Sie fanden heraus, dass unter biologischem Anbau mit vollständiger Bewässerung die Pflanzen höhere Gehalte an bestimmten Mineralstoffen wie Phosphor, Magnesium, Zink und Kupfer aufwiesen.⁵ Das zeigt, wie stark die Anbaumethode die Pflanze beeinflusst.

Die Ernte – Timing ist alles

Wenn Sie Zitronenmelisse im Garten haben, können Sie einfach nach Bedarf ein paar Blätter pflücken. Für die kommerzielle Produktion von Extrakten ist der Erntezeitpunkt aber entscheidend. Die Konzentration der verschiedenen Inhaltsstoffe in der Pflanze verändert sich im Laufe der Vegetationsperiode.

Generell ist der Gehalt an ätherischem Öl kurz vor oder während der Blüte am höchsten. Zu diesem Zeitpunkt hat die Pflanze ihre ganze Energie in die Produktion dieser Duftstoffe gesteckt, um Bestäuber anzulocken. Deshalb wird für die professionelle Gewinnung von ätherischem Öl meist in dieser Phase geerntet. Die Pflanzen werden etwa fünf bis zehn Zentimeter über dem Boden abgeschnitten, was der Pflanze ermöglicht, wieder nachzuwachsen. So sind in einem Jahr oft mehrere Ernten möglich.

Nach der Ernte muss das Pflanzenmaterial sorgfältig getrocknet werden. Dies geschieht am besten im Schatten bei Temperaturen unter vierzig Grad Celsius. Warum im Schatten und bei niedrigen Temperaturen? Weil das ätherische Öl flüchtig ist – es verdunstet leicht, besonders wenn es heiß wird. Auch die empfindlichen Phenolverbindungen können durch zu viel Hitze zerstört werden. Richtig getrocknete Zitronenmelisse behält ihre grüne Farbe und ihr charakteristisches Aroma.

Von der Pflanze zum Extrakt – eine kleine Reise durch die Extraktionsmethoden

Vielleicht haben Sie sich schon gefragt, wie aus den grünen Blättern eigentlich die Extrakte werden, die Sie in verschiedenen Produkten finden. Es gibt mehrere Methoden, und jede hat ihre Besonderheiten.

Die traditionellste Methode zur Gewinnung des ätherischen Öls ist die Wasserdampfdestillation. Stellen Sie sich vor, Sie haben einen großen Behälter mit zerkleinertem Zitronenmelissen-Material. Durch diesen Behälter wird Wasserdampf geleitet. Der heiße Dampf löst die flüchtigen Öle aus den Pflanzenteilen. Das Dampf-Öl-Gemisch steigt auf, wird in einem Kühler wieder verflüssigt, und am Ende können Sie das leichtere Öl von der wässrigen Phase abtrennen. Es ist ein bisschen wie beim Kochen, wenn der Dampf vom Kochwasser aufsteigt und am Deckel kondensiert – nur ausgefeilter.

Diese Methode ist schonend und liefert ein naturnahes Öl, hat aber einen Nachteil: Die Ausbeute ist relativ gering. Aus hundert Kilogramm frischer Zitronenmelisse gewinnt man typischerweise nur etwa achtzig Milliliter bis vierhundert Milliliter reines ätherisches Öl. Das erklärt, warum echtes Zitronenmelissenöl relativ teuer ist.

In den letzten Jahren haben Wissenschaftler moderne Methoden entwickelt, die effizienter sein können. Eine davon ist die Mikrowellenextraktion. Gonçalves und Kollegen verglichen 2010 verschiedene Extraktionsmethoden und fanden heraus, dass die Mikrowellenextraktion zu einem Öl mit höheren Mengen an sauerstoffhaltigen Verbindungen führte als die traditionelle Destillation.⁶ Die Mikrowellen bringen die Wassermoleküle in der Pflanze zum Schwingen, was Wärme erzeugt und die ätherischen Öle freisetzt. Diese Methode ist schneller als die traditionelle Destillation.

Eine andere moderne Technik ist die Ultraschallextraktion. Dabei werden hochfrequente Schallwellen durch das Pflanzenmaterial geschickt. Diese Wellen erzeugen winzige Bläschen im Lösungsmittel, die beim Platzen kleine Schockwellen erzeugen. Diese Schockwellen zerbrechen die Zellwände der Pflanze und machen es einfacher, die Inhaltsstoffe herauszulösen. Das Prinzip ähnelt einem Ultraschallreinigungsgerät, wie Sie es vielleicht zum Reinigen von Schmuck kennen – nur wird hier nicht gereinigt, sondern extrahiert.

Für die Gewinnung der nicht-flüchtigen Inhaltsstoffe wie Rosmarinsäure und Flavonoide verwendet man üblicherweise Lösungsmittel. Dabei wird das getrocknete und zerkleinerte Pflanzenmaterial mit einem Lösungsmittel – oft Alkohol oder Alkohol-Wasser-Gemische – in Kontakt gebracht. Die gewünschten Substanzen lösen sich im Lösungsmittel, ähnlich wie sich Zucker in Ihrem Tee löst. Anschließend wird das Lösungsmittel vorsichtig verdampft, und zurück bleibt der konzentrierte Extrakt.

Qualität und Standardisierung – warum nicht alle Extrakte gleich sind

Wenn Sie ein Produkt mit Zitronenmelissenextrakt kaufen, fragen Sie sich vielleicht: Wie kann ich sicher sein, dass darin wirklich das enthalten ist, was draufsteht? Hier kommt die Standardisierung ins Spiel.

Wie wir bereits gesehen haben, kann die Zusammensetzung der Zitronenmelisse stark variieren – je nach Herkunft, Anbaumethode, Erntezeitpunkt und Extraktionsmethode. Für kommerzielle Produkte ist es aber wichtig, dass jede Charge die gleiche Qualität hat. Deshalb werden Extrakte oft auf einen bestimmten Gehalt an Markersubstanzen standardisiert. Bei Zitronenmelisse könnte das beispielsweise ein bestimmter Prozentsatz an Rosmarinsäure oder an Citral sein.

Wie wird das gemacht? Zunächst wird der Extrakt mit sehr präzisen wissenschaftlichen Methoden analysiert. Eine häufig verwendete Methode ist die Gaschromatographie gekoppelt mit Massenspektrometrie (kurz GC-MS) für das ätherische Öl. Dabei werden die verschiedenen Komponenten des Öls aufgetrennt und identifiziert. Schultze und sein Team nutzten bereits 1993 diese Methode und identifizierten siebzig verschiedene Verbindungen im ätherischen Öl der Zitronenmelisse.⁷

Für die Analyse der Phenolverbindungen verwendet man die Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC). Stellen Sie sich vor, die verschiedenen Inhaltsstoffe des Extrakts sind wie Läufer in einem Rennen. Jede Substanz bewegt sich mit einer unterschiedlichen Geschwindigkeit durch eine spezielle Säule, und am Ende kann man genau messen, wer wann durchs Ziel gekommen ist – also welche Substanz in welcher Menge vorhanden ist.

Wenn die Analyse zeigt, dass der Gehalt an der gewünschten Substanz zu niedrig oder zu hoch ist, kann der Extrakt durch Mischen mit anderen Chargen oder durch Zugabe von Trägersubstanzen auf den gewünschten Wert eingestellt werden. So erhält man ein standardisiertes Produkt mit gleichbleibender Qualität.

Wo begegnet uns Zitronenmelisse im Alltag?

Nachdem wir nun so viel über die Pflanze, ihre Inhaltsstoffe und ihre Gewinnung gelernt haben, fragen Sie sich vielleicht: Wo wird Zitronenmelisse eigentlich verwendet?

In der Küche ist Zitronenmelisse eine beliebte Zutat. Frische oder getrocknete Blätter können Sie in Salaten verwenden, wo sie eine erfrischende Zitrusnote beisteuern. Sie passen wunderbar zu Obstsalaten, können Desserts aufpeppen oder einem Mineralwasser eine besondere Note geben. Besonders verbreitet ist die Zubereitung als Aufguss – Sie übergießen einfach ein paar frische oder getrocknete Blätter mit heißem Wasser und lassen das Ganze einige Minuten ziehen. Das Ergebnis ist ein duftendes, erfrischendes Getränk mit einem milden Zitronenaroma.

In der Lebensmittelindustrie wird das ätherische Öl als natürliches Aromamittel eingesetzt. Sie finden es in Süßigkeiten, Eiscreme, Backwaren oder Erfrischungsgetränken. Allerdings ist echtes Zitronenmelissenöl aufgrund der geringen Ausbeute relativ teuer, weshalb oft synthetisches Citral verwendet wird, das das natürliche Aroma imitiert. Wenn Sie also ein Produkt mit „Zitronenmelissen-Aroma“ sehen, ist es nicht immer aus echter Zitronenmelisse gewonnen.

Die Kosmetikindustrie schätzt Zitronenmelisse wegen ihres frischen Duftes und ihrer antioxidativen Eigenschaften. Antioxidantien sind Substanzen, die andere Stoffe vor Oxidation schützen können – ähnlich wie Zitronensaft verhindert, dass aufgeschnittene Äpfel braun werden. In kosmetischen Produkten können solche Antioxidantien dazu beitragen, dass die Formulierung länger haltbar bleibt und nicht ranzig wird. Sie finden Zitronenmelisse daher in Hautcremes, Seifen, Shampoos und verschiedenen Pflegeprodukten.

In der Parfumindustrie wird das ätherische Öl als Kopfnote verwendet. Die Kopfnote ist das, was Sie als Erstes riechen, wenn Sie ein Parfum auftragen – der erste Eindruck. Zitronenmelisse bringt hier eine frische, grün-zitrusartige Nuance ein, die an Frühling und Frische erinnert. Allerdings greifen viele Parfumhersteller auch hier zu synthetischen Alternativen, da das natürliche Öl teuer und nicht immer in gleichbleibender Qualität verfügbar ist.

Interessanterweise spielt Zitronenmelisse auch in der Landwirtschaft eine Rolle, allerdings nicht als Extrakt. Ihre Fähigkeit, Bienen und andere nützliche Insekten anzulocken, macht sie zu einer wertvollen Begleitpflanze in ökologischen Anbausystemen. Gärtner pflanzen sie zwischen andere Gemüse- oder Obstpflanzen, um die Bestäubung zu fördern und die Artenvielfalt zu erhöhen.

Die Wissenschaft geht weiter – neue Erkenntnisse und Methoden

Die Erforschung der Zitronenmelisse ist längst nicht abgeschlossen. Wissenschaftler arbeiten kontinuierlich daran, noch mehr über diese faszinierende Pflanze zu lernen und neue, effizientere Methoden für ihren Anbau und ihre Verarbeitung zu entwickeln.

Ein spannender Forschungsbereich ist die Züchtung neuer Sorten. Traditionell wurden Pflanzen über viele Generationen hinweg ausgewählt und weitergezüchtet, um bestimmte gewünschte Eigenschaften zu verstärken – größere Blätter, höherer Ölgehalt oder bessere Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit. Heute können Wissenschaftler diesen Prozess mit molekularen Markern beschleunigen. Das sind gewissermaßen genetische Wegweiser, die zeigen, welche Pflanzen die gewünschten Eigenschaften haben, ohne dass man warten muss, bis sie ausgewachsen sind.

Ein weiterer aktiver Forschungsbereich ist die Entwicklung umweltfreundlicherer Extraktionsmethoden. Die traditionellen Verfahren verwenden oft Lösungsmittel, die aus Erdöl gewonnen werden. Forscher arbeiten an Alternativen, die auf natürlichen Substanzen basieren, weniger Energie verbrauchen und die Umwelt weniger belasten. Natürliche tiefe eutektische Lösungsmittel (NADES) sind ein Beispiel dafür – Mischungen aus natürlichen Verbindungen wie Zuckern oder Aminosäuren, die ähnliche Eigenschaften wie konventionelle Lösungsmittel haben, aber biologisch abbaubar sind.

Auch die Pflanzenzellkultur ist ein zukunftsweisender Ansatz. Dabei werden Pflanzenzellen in einem Labor in speziellen Nährlösungen kultiviert, ähnlich wie man Bakterien oder Hefen züchtet. Der Vorteil: Die Produktion ist unabhängig von Wetter und Jahreszeit, die Zusammensetzung kann besser kontrolliert werden, und es besteht keine Gefahr der Verunreinigung mit Pestiziden oder Schwermetallen aus dem Boden. Forscher haben gezeigt, dass solche Zellkulturen hohe Mengen an Rosmarinsäure produzieren können. Allerdings ist diese Technologie noch zu teuer für eine großtechnische Produktion.

Wissenschaftliche Quellen

Alle Informationen in diesem Artikel basieren auf aktueller wissenschaftlicher Forschung. Wenn Sie tiefer in die Materie einsteigen möchten, finden Sie hier die verwendeten Quellen:

  1. Gherman C, Culea M, Cozar O. Melissa officinalis: Composition, Pharmacological Effects and Derived Release Systems—A Review. International Journal of Molecular Sciences. 2022;23(7):3591. doi:10.3390/ijms23073591. PMID: 35408950; PMCID: PMC8998931. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35408950/
  2. Abdellatif F, Boudjella H, Zitouni A, Hassani A. Chemical composition and antimicrobial activity of the essential oil from leaves of Algerian Melissa officinalis L. EXCLI Journal. 2014;13:772-781. PMID: 26417300; PMCID: PMC4464394. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26417300/
  3. Taherpour AA, Maroofi H, Rafie Z, Larijani K. Chemical composition analysis of the essential oil of Melissa officinalis L. from Kurdistan, Iran by HS/SPME method and calculation of the biophysicochemical coefficients of the components. Natural Product Research. 2012;26(2):152-160. doi:10.1080/14786419.2010.534733. PMID: 21809949. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21809949/
  4. Abdellatif F, Akram M, Begaa S, Messaoudi M, Benarfa A, Egbuna C, Ouakouak H, Hassani A, Sawicka B, Elbossaty WFM, Simal-Gandara J. Minerals, Essential Oils, and Biological Properties of Melissa officinalis L. Plants (Basel). 2021;10(6):1066. doi:10.3390/plants10061066. PMID: 34073337; PMCID: PMC8230789. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34073337/
  5. Hasanein P, Riahi H, Mohammadi-Farani A, Ghorbani A, Saadatfar A. Effects of the extraction techniques on the chemical composition and bioactive properties of lemon balm (Melissa officinalis L.) plants grown under different cropping and irrigation regimes. Food Research International. 2023;170:113005. doi:10.1016/j.foodres.2023.113005. PMID: 37316092. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37316092/
  6. Uysal B, Sozmen F, Buyuktas BS. Comparison of different extraction methods for essential oil composition of Laurus nobilis and Melissa officinalis. Natural Product Communications. 2010;5(4):583-587. PMID: 20184034. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20184034/
  7. Schultze W, Seifert K, Stahl-Biskup E. Chemical composition of the essential oil from Melissa. Planta Medica. 1993;59(7):A688. PMID: 17396950. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17396950/

Diese Studien wurden alle in renommierten wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht und sind über PubMed, die öffentliche Datenbank der US National Library of Medicine, frei zugänglich. Die angegebenen PMID-Nummern (PubMed Identifier) ermöglichen eine eindeutige Identifikation jedes Artikels.

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